Rund um den Buntbarsch

Wer kennt das nicht? Manchmal fühlt man sich beobachtet, obwohl man alleine im Raum ist. Psychologen haben dafür viele, höchstwahrscheinlich recht komplizierte, Erklärungen.

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Diskus im Aquarium

Es gibt aber eine ganz einfache: Im Raum befindet sich ein Aquarium mit besonders attraktiven Bewohnern, nämlich mit Buntbarschen. Normalerweise sind es wir Menschen, die mit Begeisterung die Fische beobachten. Doch lebt ein Buntbarsch im Becken, stellt sich die Frage, wer eigentlich wen beobachtet. Besonders die größeren Vertreter dieser faszinierenden Fische zeigen beachtenswertes Interesse an der Welt außerhalb des Aquariums.

Die Heimat der bunten Aquarienbewohner

Von den Buntbarschen gibt es 1700 Arten. Buntbarsche, Cychliden, leben in ihrer natürlichen Heimat in warmen Gebieten, und zwar in Mittel- und Südamerika, in Indien und Sri Lanka und in weiten Teilen Afrikas.

Auch in Madagaskar gibt es Buntbarsche. Leider sind sie dort besonders stark gefährdet und vom Aussterben bedroht.

Vorstellung

Die meisten dieser attraktiven Fische leben im Süßwasser. Es gibt aber auch einige Arten, die Brackwasser benötigen. Typische Vertreter sind der Buntbarsch Etroplus suratensis und der Etroplus maculatus. Beide sind in den südlichen Regionen Indiens und Sri Lankas beheimatet und leben hauptsächlich in Brackwasser.

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4cm großer gestreifter Buntbarsch

Die Körpergröße der Fische reicht von zwei Zentimeter bis zu einem Meter. Viele Arten sind sehr bunt und intensiv gefärbt.

Barsch vs. Buntbarsch

Erfahrene Aquarianer schütteln häufig nur mit dem Kopf, wenn Aquaristikneulinge von einem Barsch sprechen. Echte Barsche haben zum Beispiel vier und nicht zwei Nasenlöcher wie der Buntbarsch und auch die Anatomie der Rückenflosse ist nicht ident.

Buntbarsch-Gruppen

Die Fische können in Gruppen eingeteilt werden, und zwar nach Herkunft, Lebensraum, Größe, Ernährung und Verhalten.

Die Einteilung erfolgt in Mittelamerikanische Buntbarsche, Mittlere und große Südamerikanische Buntbarsche, Südamerikanische Zwergbuntbarsche, Buntbarsche aus den Ostafrikanischen Seen und Westafrikanische Buntbarsche.

Bekannte und beliebte Arten in heimischen Aquarien:

  • Diskus
  • Blauer Malawi-Buntbarsch
  • Schmetterlingsbuntbarsch
  • Skalar

Lebensweise

Viel wichtiger als die Gruppeneinteilung ist die Psychologie der Fische. Warum? Weil die Tiere, wie eine Medaille, zwei Seiten haben. Sie sind so einzigartig und schön und sie bereichern jedes Aquarium. Aber jeder Aquarianer muss verstehen, warum sich die Fische so verhalten, wie sie es eben im Aquarium tun. Nur dann ist eine erfolgreiche Haltung möglich.

Es gibt einige Arten, die räuberisch leben und es gibt Arten, die Reviere bilden. Außerdem gibt es welche, die sich zu zweit wohlfühlen und solche, die Haremsgruppen bilden.

Dann gibt es noch einige Mimosen unter den Buntbarschen, wie beispielsweise der Purpurprachtbarsch. Ein relativ anspruchsloser Beckenbewohner, der sich sogar leicht züchten lässt. Die Vergesellschaftung gestaltet sich aber sehr schwierig. Dieser Fisch fühlt sich im Artbecken viel wohler als in einem Gemeinschaftsbecken.

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All das muss berücksichtigt werden. Nicht immer ganz leicht für den Aquarianer, aber es lohnt sich. Wenn dann die beeindruckenden Fische im Aquarium schwimmen und sogar für Nachwuchs sorgen, sind alle anfänglichen Bedenken und Mühen vergessen.

Aquarium

Begeisterte Aquarianer können stundenlang vor einem Buntbarsch sitzen und das Tier beobachten. Die Größe des Beckens hängt von der Buntbarschart ab. Fische mit einer Körpergröße von zwei bis drei Zentimeter können natürlich in kleineren Becken gehalten werden. Größere Fische brauchen ein größeres Becken. Da muss das Aquarium schon mindestens ein Meter Länge haben oder im Idealfall noch größer sein.

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Skalar im Aquarium

Ohne Pflanzen geht es nicht, denn Aquariumpflanzen verbrauchen Kohlendioxid und die ausgeschiedenen Stickstoffverbindungen der Fische.

Es geht auch nicht ohne Bodensubstrat, denn kein einziger Fisch auf der ganzen Welt lebt auf einem Glasboden.

Jetzt beginnt aber das Dilemma. Eine üppige Bepflanzung und ein farblich auf die Fische abgestimmtes Substrat machen gemeinsam mit dem Fischbesatz das Becken zu einem optischen Highlight. Dem Buntbarsch gefällt das aber nicht immer.

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Einrichtung eines Barschbeckens

Aquarianer müssen tolerant sein. Buddeln ist ein natürliches und intensives Verhalten der Buntbarsche. Einige Arten fressen Wasserpflanzen, einige Arten entwurzeln mit Begeisterung beim Buddeln die Pflanzen und Substratbrüter, wie der Amphilophus citrinellus graben sogar Kinderzimmergruben für ihren Nachwuchs.

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Das Entwurzeln der Wasserpflanzen ist oft eine notwendige Vorbereitung zum Brüten. Größere Buntbarscharten versuchen manchmal, für sie nicht notwendige Dekorationsgegenstände zu entfernen. Meistens haben sie auch Erfolg damit!

Wasserpflanzen können geschützt werden, indem sie in Töpfen oder zwischen Steinen gepflanzt werden. Die Ausrüstung kann befestigt werden und für die Dekoration werden schwere, unverrückbare Gegenstände verwendet.

Aquarium ohne Einrichtung

Der Versuch, das Buddeln und Graben zu verhindern, indem kein Substrat und keine Pflanzen in das Becken gegeben werden, ist weder tier- noch artgerecht, sondern einfach nur grausam.

Wasserwerte

Jede Buntbarschart bevorzugt andere Wasserwerte. So braucht die Mittelamerikanische Buntbarschfamilie hartes und alkalisches Wasser. Der optimale pH-Wert beträgt 7,5 bis 8,0. Sie lieben eine langsame bis mittelschnelle Strömung und fühlen sich bei einer Wassertemperatur von 24 bis 27 Grad Celsius wohl.

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Wasseranalyse zur Wasserwertbestimmung

Mittlere und große Südamerikanische Buntbarscharten bevorzugen einen pH-Wert von extrem sauer bis leicht alkalisch. Die Beleuchtung sollte nicht zu hell sein und sie bevorzugen stilles oder langsam fließendes Wasser.

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südamerikanischer Schmetterlingsbuntbarsch

Südamerikanische Zwergbuntbarsche sind kleine Fische, die maximal 10 Zentimeter groß werden. Weiches, leicht saures Wasser und ein pH-Wert von 6,5 sind für die Haltung dieser Arten erforderlich. Die Wasserqualität muss sehr gut sein und die Temperatur zwischen 25 und 28 Grad Celsius betragen.

Fische der Ostafrikanischen Seen lieben hartes sowie alkalisches Wasser, wobei die Werte von See zu See variieren. Das Wasser des Malawisees ist mäßig hart mit 8 – 10dH und hat einen pH-Wert von 7,5 – 8.

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ostafrikaninischer Tanganjika Goldcichlide

Fortpflanzung

Jeder Buntbarsch betreibt Brutpflege. Das bedeutet, die Fische bewachen ihre Eier und Jungen. Deshalb überleben viele Jungfische.

Sie verstreuen die Eier nicht, sondern legen sie an Steinen, Blättern oder Gegenständen ab.

Unterschieden wird zwischen Maul- und Substratbrut. Bei der Substratbrut werden, wie der Name schon sagt, die Eier auf ein Substrat gelegt. Die Eier werden bewacht, gepflegt und durch das ständige Fächeln mit der Brustflosse gelangt sauerstoffhaltiges Wasser zum Laich.

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typischer Maulbrütender Buntbarsch

Auch die Jungfische werden weiter beaufsichtigt. Sogar bei der Futtersuche werden sie begleitet. Diese Fürsorge dauert so lange, bis die Elternfische wieder zu brüten beginnen.

Bei der Substratbrut wird unterteilt in offenes Brüten und in verstecktes Brüten, das auch als Höhlenbrüten bezeichnet wird.

Beim sogenannten Maulbrüten bleibt der Nachwuchs im Maul, bis sie groß genug sind, um eine Überlebenschance zu haben. Die Jungen können im Maul eines oder beider Elternteile heranwachsen.

Der Großteil der Maulbrüter gehört zum Hauptstamm der afrikanischen Fische, den Haplochromines.

Ernährung und Futter

Unter den Buntbarschen gibt es reine Fleisch- sowie reine Pflanzenfresser, die sich von Wasserpflanzen, Plankton und Aufwuchs ernähren.

Mit Sticks, Flockenfutter und Granulat werden alle Bedürfnisse der Fische abgedeckt.

Lebendfutter ist eine Delikatesse für alle räuberischen Buntbarscharten.

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Tubifex Lebendfutter

Ernährung Pflanzenfresser

Bei pflanzenfressenden Buntbarscharten darf die Ernährung nicht zu proteinreich sein. Das führt zu Gesundheitsproblemen.

Vergesellschaftung

Für eine erfolgreiche Vergesellschaftung muss das Becken entsprechend groß sein. Zwergbuntbarsche beispielsweise sind friedliche Zierfische, haben aber ein territoriales Verhalten. Das bedeutet, sie beanspruchen eine doch größere Fläche im Becken, die sie als ihr Revier betrachten.

Bei einem kleinen Einsteigeraquarium mit 60 Liter Fassungsvermögen nehmen sie mehr als ein Drittel des Beckens in Anspruch.

Sollen dann noch fünf bis zehn Garnelen einziehen, sind Revierkämpfe bereits vorprogrammiert. Die Verlierer sind immer die Garnelen, weil diese Unterwasserbewohner sich selten bis gar nicht verteidigen.

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Vergesellschaftung von Diskusfischen

In einem großen Aquarium mit einem Fassungsvermögen ab 200 Liter und mehr können hingegen andere Fische und Garnelen gemeinsam gehalten werden. Neben dem größeren Platzangebot müssen aber viele Versteckmöglichkeiten in Form von Steinen und Höhlen vorhanden sein, sodass sich die Garnelen und auch andere Fische zurückziehen können.

Räuberische Fische fressen andere Tiere, vorausgesetzt sie sind kleiner. Garnelen werden, je nach ihrer Körpergröße, oft in Ruhe gelassen. Der Garnelennachwuchs steht aber ganz oben auf der Speisekarte und wird gnadenlos gefressen.

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Vergesellschaftung ostafrikanischer tanganjika Goldcichlide

Im Allgemeinen ist es nicht gut, Buntbarsche aus verschiedenen ostafrikanischen Seen zu vergesellschaften. Außer es ist sehr, sehr viel Wissen und Erfahrung vorhanden. Dann ist es möglich, die verschiedenen temperamentvollen Fische gemeinsam zu pflegen.

Jeder See enthält eine Anzahl von Buntbarsch-Gruppen mit morphologischen Ähnlichkeiten und auch Ähnlichkeiten im Verhalten, dazu kommen aber auch noch viele Individualisten. Deshalb bedarf es einiger Sorgfalt beim Zusammensetzen solcher Gruppen.

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Häufige Fragen:

Wie alt wird ein Buntbarsch im Aquarium?

Der Schmetterlingsbuntbarsch lebt im Aquarium zwei bis drei Jahre. In der freien Natur wird er zwar älter, aber im Becken entwickelt er viel intensivere Farben.

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Schmetterlingsbuntbarsch

Fische aus Ostafrika werden durchschnittlich vier bis sechs Jahre alt. Wobei es aber auch Buntbarscharten aus dem Malawisee gibt, die ein stolzes Alter von 15 bis 20 Jahre erreichen.

Warum spuckt mein Buntbarsch das Futter wieder aus?

Die Ursachen dafür sind vielfältig:

  • Stress aufgrund schlechter Wasserwerte
  • Krankheiten wie Infektionen oder Parasitenbefall an den Kiemen
  • falsches Futter – fleischfressende Fische mögen kein pflanzliches Granulat
  • Überangebot an Futter – die Fische sind einfach satt
  • das Futter ist zu langweilig – Abwechslung muss ins Becken

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